Auto fahren

... oder das geordnete Chaos

Zuerst die gute Nachricht: auf Madeira wird rechts gefahren.

Nein, so schlimm ist das alles nicht. Die Madeirenser haben ihren eigenen Fahrstil: sie fahren sehr gelassen Auto, dabei ist das Seitenfenster immer offen, der Arm hängt raus und nicht zu vergessen: die Sonnenbrille.

Genug der Klischees. Wer auf Madeira Auto fahren möchte, sollte vor allem das "Anfahren am Berg" beherrschen. Viele Straßen, insbesondere Nebenstraßen, sind extrem steil und zusätzlich auch noch schmal. Ein guter Orientierungssinn kann auch nicht schaden. Besonders in Funchal landet man schnell im Nirgendwo.

Wer sein Navigationsgerät mitnimmt, sollte darauf achten, Karten ab der Version 2009 installiert zu haben. Bei älteren Karten-Versionen ist Madeira im Kartenmaterial nur als weißer Fleck auf der Landkarte vorhanden.

Für die Inselerkundung sind die meisten Karten ausreichend, auch wenn sich in den letzten Jahren unheimlich viel auf der Insel getan hat: Tunnelprojekte überall, eine Autobahn von Canical nach Ribiera Brava und Schnellstraßen (fast) rund um die Insel.

Zeit sollte man immer reichlich einplanen. Gerade in entlegeneren Gebieten winden sich die Straßen von einem Tal ins nächste. Hat man einen Bus oder LKW vor sich, sind die möglichen Stellen zum Überholen rar gesäht. Manche Straßen haben auch nur einen Fahrstreifen, so dass auf den Gegenverkehr geachtet und im Ernstfall der Rückwärtsgang zur letzten Ausweichbucht eingelegt werden muss.

Ein absolutes Muss sind Fahrten über die alten Küstenstraßen. Wasserfälle sprühen auf die Straße, manchmal liegen auch Steine herum. Die Anstrengung, diese Straßen in die steile Küste zu schlagen wird sofort gegenwärtig.

Aber hier jetzt ein paar Tipps:

Autobahn

Wer direkt vom Flughafen mit seinem Mietwagen losfährt, landet sofort auf der Autobahn. Diese führt von Canical über Machico, am Flughafen vorbei, nach Canico, über Funchal bis nach Ribiera Brava. Es gilt meist eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 100 km/h, manchmal auch 80 km/h.

Die Autobahn muss man sich ein wenig anders vorstellen, als man es von Deutschland gewohnt ist. Aufgrund der Topologie besteht die Autobahn aus vielen Kurven, starken Steigungen und reichlich Tunneln und Brücken. Meistens geht ein Tunnel direkt in eine Brücke über, das auch noch kombiniert mit einer Kurve.

Es kann passieren, dass man um eine enge Kurve fährt und direkt einen LKW oder Bus vor sich hat, der mit 30 km/h eine starke Steigung erklimmt.

Das Highlight sind allerdings die Auf- und Abfahrten der Autobahn. Diese bestehen meist aus einem Beschleunigungsstreifen, der etwa 2m lang ist. Man sollte also insbesondere bei der Auffahrt nicht, wie in Deutschland gewohnt, erst mal Gas geben, sondern stehen bleiben und sich umsehen. Wenn man auf der Autobahn unterwegs ist, muss man auf der anderen Seite damit rechnen, dass ein Wagen mit 10km/h auf die Autobahn fährt.

Landstraßen

Die meisten Kilometer wird der Tourist mit Mietwagen auf den vielen Landstraßen, rund um die Insel zurücklegen. Neue sind gut ausgebaut und durch Tunnel begradigt. Ältere Straßen winden sich die Berge hinauf und wieder ins nächste Tal hinunter. Das führt auch dazu, dass manche kurze Entfernung auf der Karte zu einer längeren Fahrt werden kann. Auf einigen Straßenabschnitten kann es passieren, dass die Fahrbahn nur für ein Auto breit genug ist - also vorsicht und vielleicht vor einer unübersichtlichen Kurve einmal kurz hupen.

Manche Straßen können zudem sehr steil sein. Bei feuchtem Wetter drehen dort schoneinmal gerne die Reifen durch. Bei der Wahl des Autos sollte man dies bedenken. Ein paar PS (kW) mehr können nicht schaden.

Parken

...ist meist kein Problem. Es sei denn, man fährt nach Funchal. Dort ist es ratsam in ein Parkhaus zu fahren. Manche Parkplätze am Straßenrand sind in Funchal Anwohnerparkplätze. Wir hatten das erste Mal Glück, dass uns ein freundlicher Polizist darauf aufmerksam machte. Ein unberechtigt parkendes Fahrzeug wird auch schon mal abgeschleppt.

Außerhalb von Funchal ist es meist leicht einen passenden Parkplatz zu finden. Nur sollte man darauf achten, keine Wege zu versperren. Auch Feldwege werden von größeren LKWs befahren. Oft sind kleinere Buchten am Straßenrand, wo ein oder zwei Wagen Platz finden.